Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

The making of ….

Materialsammlung für die Filmaufnahme


Narrative Kurzfilme in digitaler Form mit dem Handy oder einem Tablett aufgenommen stellen eine neue Methode der Konfliktbearbeitung dar. 

Die Idee, statt langer Dialoge die Streitparteien die Geschichte ihrer aktuellen Konfliktperspektive durch eine digitale Geschichte - digital storytelling - erzählen und bebildern zu lassen, kam mir nach einem Workshop mit Jugendlichen, die sich in der Pause die Schnappschüsse Ihrer letzten Party zeigten. Ich suchte nach Möglichkeiten, wie digitale Fotos verwendet werden können, um sich selbst mit einer Frage, einer Krise auf die Spur zu kommen und besuchte eine mehrtägige Weiterbildung von Joe Lambert, einer der Erfinder von digital storytelling. Ich fing an, die Methode auf die Konfliktarbeit zu übertragen. 

Der Ablauf eines Digital-Storytelling-Workshops ist kurz zusammengefasst folgender:

1. Storycircle – hier geht es darum, die eigene Geschichte in einem geschützten Rahmen  (Vertraulichkeit) zu finden und prägnant zusammenzuschreiben (200 bis 300 Wörter). Es werden Fragen zur Geschichte gestellt und Schreibübungen angeregt um kreative Impulse hervorzubringen.

2. Schreibprozeß und Storyboard  - sodann wird die Filmgeschichte erstellt. Das Storyschreiben als erster Schritt kann allein, in Begleitung oder in Kleingruppen erfolgen- je nach Wunsch und Arbeitsstil. Anschließend geht es um die Verbindung mit Bildmaterial, das vorbereitet  und mitgebracht oder  im Netz gefunden in der Gruppe getauscht oder aber spontan fotografiert/gefilmt wurde.  

3. Aufnahmeteil: Audio/Video - Stimmaufnahme und Bildaufnahmen werden gefertigt, um die Geschichte mit Ton zu verbinden.

4. Filmpräsentation - gemeinschaftlich werden alle Kurzfilme angeschaut und miteinander geteilt. 

Geschichten zu teilen heißt einander Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu geben. Geschichten berühren. Eine Digital Story fängt den Stand der Dinge ein, wie sie sich zum Zeitpunkt der Herstellung des Films darstellt. Mit diesem Schritt verliert die Geschichte Macht über den Erzähler, die Erzählerin. Heilung kann eintreten. Es wird Platz für eine neue Geschichte gemacht. Die alte Geschichte wurde gewürdigt und kann der Vergangenheit überlassen werden. Das befreit. 

 

Narrative Konfliktfilme werden weniger aufwändig hergestellt. Die Konfliktparteien werden begleitet ihre Perspektive auf den Konflikt eingangs mit einer "dramatischen" Frage zu beginnen und dann den Bogen ihrer Konfliktgeschichte zu erzählen. Ist der Text erstellt, wird mithilfe von Visualisierungsmaterial - Postkarten, Zeichnungen, Fotos, Figuren etc. - ein Film aufgenommen. Der Film wird zeitlich so gedreht, dass die Bilder zum Text passen. Anschließend kommt die Tonaufnahme. Mit Begleitung kann ein solcher Film in 4-5 Stunden erstellt werden. Die Parteien klären sich selbst. Sie werden ermutigt für ihre Perspektive einzustehen, können entscheiden, was sie zeigen und wie sie es zeigen. Da den Parteien klar gemacht wurde, dass es um die heutige Sicht geht, ist der Weg für Veränderung  und Entwicklung geebnet. Ihnen ist klar, dass die Veränderung mit dem Moment der Filmpräsentation beginnt. 

Haben alle Seiten ihre Konfliktperspektive gefilmt, kommt der Moment der Begegnung. Gemeinsam werden die Geschichten vorgestellt und gewürdigt. Anschließend wird ein Gespräch über berührende Momente und gewonnene Einsichten geführt. Was tun wir nun, wenn sich die Situation so darstellt, wie wir es gesehen haben? Was wollen wir angehen, was nicht mehr hinnehmen? Die Lösungssuche kann beginnen.

Geschichten zu erzählen, sie zu teilen hat gemeinschaftsbildende Wirkung. Jede Geschichte so anzuerkennen wie sie ist, bewirkt von ganz allein Wertschätzung. Gerade in Kulturen, die ehr eine indirekte Kommunikation bevorzugen, ist diese Methode, die auch symbolische Bilder verwendet, hilfreich. 

Sie wollen mehr erfahren? Schreiben Sie mich an!